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Warum Resilienz nicht bedeutet, einfach weiterzumachen

Warum eine veränderte Realität nicht zwingend ein neues Ziel verlangt – sondern den Mut, den vertrauten Weg anzupassen.

Drei Menschen stehen an einer Weggabelung und orientieren sich an einem goldenen Weg in die Zukunft

Wir hatten uns entschieden.

Mein Team und ich hatten einen Weg gefunden, von dem wir fachlich überzeugt waren.

Wir hatten uns intensiv damit beschäftigt, erste Erfahrungen gesammelt und eine gemeinsame Vorstellung davon entwickelt, wie wir unser Ziel erreichen wollten.

Dann änderten sich die Rahmenbedingungen.

Aufgrund neuer Architekturprinzipien und einer weiterentwickelten strategischen Ausrichtung wurde entschieden, unseren bisherigen Weg nicht weiterzuverfolgen.

Die Organisation schlug eine andere Richtung ein.

Und ich möchte ganz offen sein:

Ich verstand diese Entscheidung am Anfang nicht.

Warum nicht unser Weg?

Meine erste Reaktion war keine Neugier.

Sie war Widerstand.

Warum sollten wir jetzt einen anderen Weg einschlagen?

Was war an unserem bisherigen Ansatz schlechter?

Warum sollten wir etwas aufgeben, von dem mein Team und ich überzeugt waren?

Ich dachte zunächst in den Kategorien richtig und falsch.

Unser Weg oder der andere.

Die bessere oder die schlechtere Lösung.

Doch genau darin lag mein Denkfehler.

Es ging nicht darum, ob unser bisheriger Weg grundsätzlich falsch gewesen war. Die Rahmenbedingungen hatten sich verändert.

Die Organisation wollte bestimmte Leistungen nicht mehr selbst betreiben. Lösungen sollten schneller skalierbar sein. Neue Möglichkeiten sollten einfacher genutzt und benötigte Kapazitäten flexibler bereitgestellt werden können.

Auch wirtschaftliche Überlegungen spielten eine Rolle.

Ich musste die neue Richtung nicht sofort gut finden.

Aber ich musste sie zuerst verstehen.

Denn eines wurde mir ziemlich schnell klar:

Wenn ich den neuen Weg selbst nicht verstand, konnte ich meinem Team keine Orientierung geben.

Erst verstehen, dann führen

Also begann ich, Fragen zu stellen.

Nicht mit dem Ziel, die Entscheidung doch noch umzustossen.

Sondern um zu verstehen, warum sie getroffen worden war.

Welche Rahmenbedingungen hatten sich verändert?

Welche Ziele standen hinter der neuen strategischen Richtung?

Was sollte dadurch möglich werden, was unser bisheriger Ansatz nicht oder nur mit deutlich grösserem Aufwand leisten konnte?

Stück für Stück entstand ein anderes Bild.

Die Entscheidung richtete sich nicht gegen unsere bisherige Arbeit.

Sie folgte einer veränderten strategischen Richtung.

Das eigentliche Ziel war sogar weitgehend gleich geblieben. Wir wollten Leistungen schneller, verlässlicher und flexibler bereitstellen.

Nicht das Ziel hatte sich verändert. Der Weg dorthin war ein anderer geworden.

Diese Unterscheidung half mir.

Aber ich wusste auch: Nur weil ich die Entscheidung inzwischen besser verstand, würde mein Team sie nicht automatisch akzeptieren.

„Das können wir nicht mehr ändern“

Als ich mit meinem Team über den Richtungswechsel sprach, war die Reaktion deutlich.

Einige waren enttäuscht.

Andere waren frustriert.

Das konnte ich gut verstehen. Schliesslich hatten wir Zeit, Energie und fachliche Überzeugung in den bisherigen Weg investiert.

Ich versuchte deshalb nicht, ihre Reaktion wegzuerklären.

Ich sagte ihnen sinngemäss:

„Diesen Entscheid können wir nicht mehr ändern. Aber wir können entscheiden, wie wir damit umgehen.“

Dann schlug ich etwas Einfaches vor:

„Lasst uns den anderen Weg zuerst kennenlernen. Gebt der Sache eine Chance. Danach können wir immer noch beurteilen, was sie für uns bedeutet.“

Ein oder zwei Mitarbeitende erklärten sich bereit, die neue Lösung gemeinsam mit mir zu erkunden.

Wir begannen nicht mit einer grossen Veränderungsinitiative.

Wir schauten sie uns an.

Wir testeten Abläufe. Wir verglichen Möglichkeiten. Wir prüften, was einfacher funktionierte und wo tatsächlich neue Chancen entstanden.

Und dann passierte etwas Interessantes.

Die beiden Mitarbeitenden entdeckten Vorteile.

Bestimmte Leistungen konnten wesentlich schneller bereitgestellt werden. Viele Arbeitsschritte waren bereits automatisiert. Gleichzeitig merkten wir, dass der neue Weg fachlich gar nicht so weit von unserem bisherigen Ansatz entfernt war.

Einige Details waren anders.

Die grundlegende Idee war ziemlich ähnlich.

Wir mussten nicht sofort daran glauben

Diese ersten Erfahrungen veränderten die Diskussion im Team.

Nicht weil plötzlich alle begeistert waren.

Und auch nicht, weil wir ihnen die neue Strategie einfach oft genug erklärt hatten.

Sondern weil ein paar Menschen aus dem Team selbst gesehen hatten, was möglich war.

Sie mussten nicht sofort an den neuen Weg glauben.

Aber sie konnten ihn zunehmend verstehen.

Genau das machte den Unterschied.

Aus ein oder zwei neugierigen Mitarbeitenden wurden erste Unterstützer. Sie brachten ihre eigenen Beobachtungen in das Team ein. Andere wurden ebenfalls neugierig und gaben der neuen Richtung eine Chance.

Wir schufen zunächst Klarheit in einem kleinen Kreis und trugen diese Klarheit dann Stück für Stück weiter.

Dadurch entstand keine Begeisterung auf Knopfdruck.

Es entstand etwas Belastbareres: die gemeinsame Bereitschaft, den neuen Weg ernsthaft zu prüfen.

Mein eigentliches Lernen

Lange hatte ich den Satz gehört, Veränderung sei die einzige Konstante.

In dieser Situation begann ich erst wirklich zu verstehen, was damit gemeint war.

Veränderung bedeutet nicht, jede bisherige Entscheidung bei der ersten Irritation aufzugeben.

Sie bedeutet aber auch nicht, an einem einmal gewählten Vorgehen festzuhalten, obwohl sich dessen Grundlage verändert hat.

Und Führung bedeutet nicht, einen ursprünglichen Plan um jeden Preis zu verteidigen.

Resilienz zeigt sich nicht darin, einfach weiterzumachen. Sie zeigt sich darin, trotz veränderter Bedingungen handlungsfähig zu bleiben.

Ich musste meine zögernde Haltung nicht überspielen.

Ich musste sie durch Neugier ergänzen.

Aus Neugier entstanden neue Informationen.

Aus den neuen Informationen entstand Klarheit.

Und aus dieser Klarheit konnten wir einen veränderten Weg gehen, ohne unser eigentliches Ziel aufzugeben.

Rückblickend nehme ich drei Dinge aus dieser Erfahrung mit.

Eine frühere Entscheidung wird nicht falsch, nur weil sich der Weg verändert

Unser ursprünglicher Ansatz war unter den damaligen Bedingungen sinnvoll.

Die neue Strategie machte ihn nicht rückwirkend zu einem Fehler.

Sie schuf lediglich eine andere Entscheidungsgrundlage.

Neue Rahmenbedingungen verlangen nicht zwingend ein neues Ziel. Manchmal verlangen sie nur einen anderen Weg.

Ich kann keine Orientierung vermitteln, die ich selbst nicht verstanden habe

Bevor ich mein Team für die neue Richtung öffnen konnte, musste ich die Gründe dahinter nachvollziehen.

Nicht jedes Detail.

Aber das Ziel, die veränderten Rahmenbedingungen und ihre Konsequenzen.

Erst danach konnte ich ehrlich vor mein Team treten.

Ich musste keine Begeisterung vorspielen. Ich konnte sagen, dass auch ich Zeit gebraucht hatte, die Entscheidung zu verstehen.

Offenheit bedeutete in diesem Moment nicht, gegen den Entscheid zu argumentieren. Sie bedeutete, meinen eigenen Lernweg sichtbar zu machen.

Veränderung beginnt manchmal mit wenigen neugierigen Menschen

Ich musste nicht sofort das gesamte Team überzeugen.

Es reichte, gemeinsam mit ein oder zwei Mitarbeitenden zu erkunden, Erfahrungen zu sammeln und daraus neue Klarheit entstehen zu lassen.

Diese Mitarbeitenden wurden nicht deshalb zu Unterstützern, weil ich sie überzeugt hatte.

Sie wurden es, weil sie selbst Erfahrungen mit dem neuen Weg gemacht hatten.

Menschen übernehmen eine neue Richtung leichter, wenn sie diese nicht nur erklärt bekommen, sondern selbst verstehen können.

Rückblickend war das einer der Momente, aus denen später mein Verständnis von The Clarity Loop entstand.

Klarheit führte zu einer neuen Entscheidung.

Der Intent blieb stabil.

Wir übernahmen Verantwortung für den veränderten Weg, sammelten Erfahrungen und schufen daraus wieder neue Klarheit.

Resilienz bedeutete in dieser Situation weder, den alten Plan zu verteidigen, noch dem neuen Weg blind zu folgen.

Sie bedeutete, das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren, die veränderte Realität anzuerkennen und neugierig genug zu bleiben, um wieder handlungsfähig zu werden.

Die Veränderung war nicht das eigentliche Problem. Mein Festhalten am vertrauten Weg war es.

Wo hältst Du gerade noch an einem Plan fest – obwohl eigentlich nur die Richtung stabil bleiben müsste?

The Clarity LoopEin klarer Gedanke für deine Führungswoche.

Wenn dich diese Frage in deiner Führungsarbeit beschäftigt, erhältst du wöchentlich eine neue Praxisgeschichte und einen klaren Gedanken für deinen nächsten Schritt.

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